von Claudia Patzak
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BAYRISCHE SPEEDWAYFESTSPIELE – IN LANDSHUT TRAF SICH DIE ELITE DES INTERNATIONALEN SPEEDWAYSPORTS ZU SWC UND SGP

Team England siegt beim WWK Schwaiger & Partner FIM Speedway World Cup Semi-Final 1 – Landshut, beim WWK Schwaiger & Partner FIM Speedway GP of Germany rast Grand-Prix-Neuling Kacper Woryna gleich ganz oben aufs Treppchen


Das Speedwaystadion des AC Landshut in der Ellermühle war in den ersten beiden Maitagen der Speedway-Hotspot schlechthin. Zum Auftakt der internationalen Wettbewerbe in diesem Jahr versammelten sich die Besten ihrer Zunft in Niederbayern. Bei strahlendem Sonnenschein bekamen die Zuschauer ein Speedway-Volksfest geboten.

Rule Britannia – Favorit England sichert sich das Finalticket nach Warschau

Los ging es am Freitag abend mit dem 1. Semifinale zum Speedway World Cup, der Weltmeisterschaft der Nationen. Neben dem Gastgeber gingen England, die Tschechische Republik sowie die Ukraine an den Start, um das Ticket für das Finale des Wettbewerbs Ende August in Warschau zu lösen. Nur der Sieger kam weiter, um dann gegen die gesetzten Mannschaften aus Polen sowie gegen Australien und den Sieger des zweiten Halbfinales Anfang August in Lettland den diesjährigen Weltmeister auszufahren. Vor 5.100 Zuschauern wurden die Favoriten aus England ihrer Rolle gerecht. Die von manchen insgeheim erwartete Sensation – das Weiterkommen der deutschen Mannschaft um Kai Huckenbeck – blieb leider aus.

England begann schwächelnd und blieb im ersten Durchgang ohne Punkte, während der ukrainische Jungstar Nazar Parnitskyi seinen besten Durchgang des Tages fuhr und vor Kai Huckenbeck die Ziellinie überquerte. Doch in den nächsten drei Heats legten die Briten dann durch Siege von Brennan, Lambert und Bewley bereits deutlich vor. Deutschland konnte dank des gezielten Einsatzes der Reserve Kai Huckenbeck sowie eine bis auf Lauf 16 konstante Punkteausbeute von Norick Blödorn bis über die Hälfte des Rennens noch in Schlagweite bleiben. Auch der Einsatz von Blödorn als Taktische Reserve
in Heat 13 – ermöglicht durch einen Zwischenstand von 25 Punkten für England und 18 Punkten für Deutschland, das damit mehr als 6 Punkte gegenüber dem Führenden zurücklag und damit die Taktische Reserve ziehen durfte – ging mit einem Laufsieg voll auf und half, die Lücke sowohl zu England als auch zu den drittplatzierten Tschechen etwas zu verbessern. In den Heats 13 bis 16 erwischten dann aber die Fahrer der Tschechischen Republik das bessere Ende, so daß es vor den letzten vier Durchgängen mit einem Saldo von 23 Punkten zum Gleichstand mit Deutschland kam. England war zu diesem Zeitpunkt mit 34 Punkten bereits enteilt, die Ukraine schon etwas abgeschlagen. Die letzten vier Durchgänge änderten aus deutscher Sicht nichts mehr am Punktegleichstand mit den Tschechen; aufgrund derer höheren Anzahl an Heatsiegen belegten diese schließlich in der Endabrechnung Platz 2 vor den Gastgebern. Die Engländer, insbesondere Robert Lambert und Dan Bewley, waren an diesem Abend einfach zu gut, und einige „Nuller“ in der deutschen Bilanz verhinderten letztlich das Erreichen des selbstgesteckten Ziels, Platz 2.

Glücklicher Überraschungssieger mit historischem Hintergrund – Blödorn mit Freude am Fahren

Am darauffolgenden Tag ging es dann erstmals um Punkte im Speedway Grand Prix 2026 – eine erste Gelegenheit zur Positionsbestimmung für die 15 besten Speedwayfahrer der Welt und für den amtierenden Weltmeister Bartosz Zmarzlik der Start der Mission Titelverteidigung. Ex-Devil Norick Blödorn hatte für seinen Heim-GP die Wildcard erhalten und freute sich, unbeschwert auffahren  zu können. Gespannt sein durfte man, ob die Briten Robert Lambert und Dan Bewley ihre nahezu makellose Vorstellung vom Vorabend würden wiederholen können. Rasch konnten sich die 7.100 Zuschauer davon überzeugen, daß dies der Fall war, gewannen doch beide ihre Auftaktheats, wobei sich Bewley gegen Bartosz Zmarzlik durchsetzen und ihn auf Platz 2 verweisen konnte. Während Lambert im weiteren Rennverlauf Punkte gegen seinen Landsmann und insbesondere in Heat 10 gegen Nazar Parnitzkyi liegen ließ, zog Bewley mit dem Maximum aus den Vorläufen direkt ins Finale ein, für das sich Lambert erst im zweiten Hoffnungslauf mit einer spektakulären Aktion gegen Lindgren qualifizierte. Auch Zmarzlik stand für das Finale bereits fest, während Kacper Woryna in seinem ersten GP ebenfalls in den Hoffnungslauf mußte. Er war in Heat 14 ins Band gefahren und mußte gegen das australische Trio Jason Doyle, Chris Holder und Brady Kurtz sein Finalticket lösen. Der Finallauf war nichts für schwache Nerven, sah es doch zunächst so aus, als ob Dan Bewley mit Tagesmaximum den Tagessieg holen würde. Woryna ging jedoch in der Zielkurve Innen an ihm vorbei und konnte seine Attacken bis zum Überqueren der Ziellinie parieren. Für den 29-Jährigen
hatte der Sieg auch eine historische Komponente, hatte doch sein Großvater Antoni Woryna vor genau 60 Jahren beim FIM Speedway World Championship Bronze gewonnen. Woryna wird nun beim nächsten GP mit der wieder eingeführten „Goldenen Rennweste“ an den Start gehen.

Zufrieden sein mit dem Abend kann auch Norick Blödorn, der sich von Lauf zu Lauf  steigerte und auch nach dem großangelegten Bahndienst, nach dem mehr Überholmanöver möglich waren, gut mit der Bahn zurechtkam. In Heat 13 lag er nach gewonnenem Start zunächst in Führung lag, bevor er Brady Kurz weichen mußte. Mit insgesamt sechs Punkten lag er gleichauf mit Parnitzkyi und Kubera, ließ aber zugleich solche Namen wie Madsen, Lebedevs oder
Fricke hinter sich.

Mit dem pompösen Abschlußfeuerwerk am Samstag abend löste sich bei den Verantwortlichen des AC Landshut schließlich die Anspannung der vergangenen Tage und Wochen. „Wir sind natürlich alle sehr erleichtert, daß die Veranstaltung so gut über die Bühne gegangen ist. Unser Sport ist ein Outdoor-Sport, da hat man mit dem Wetter immer ein unkalkulierbares Risiko“, so der Erste Vorsitzende Gerald Simbeck. „Wir hatten Glück, und auch vom Ablauf her denke ich, haben wir ein perfektes WM-Wochenende abgeliefert. Unsere Funktionäre haben erneut gezeigt, zu was sie im Stande sind, und können stolz auf das Geleistete sein. Ich gehe davon aus, daß auch die Fans eine gute Zeit in den vergangenen zwei Tagen hatten – die Rückmeldungen, die wir erhalten haben, sind zumindest dementsprechend.“ Stichpunkt Rückmeldung: Der neue Promoter Mayfield zeigte sich ebenfalls zufrieden und bescheinigte den Landshutern, die Doppelveranstaltung in einer noch nie dagewesenen Qualität abgewickelt zu haben. Kerstin Rudolph, Zweite
Vorsitzende und an beiden Renntagen auch als Rennleiterin im Dauereinsatz, ergänzt: „Es ist ja bekannt, daß unser Vertrag für die Veranstaltung von Grand Prix nun ausgelaufen ist. Wir erhalten schon zahlreiche Fragen, ob wir auch im kommenden Jahr wieder einen GP in Landshut haben werden, aber das wird sich erst in den kommenden Monaten klären. Es muß auf jeden Fall neu verhandelt werden, und man muß auch sehen, wie der neue Promoter das SGP-Format weiterentwickeln will.“

Foto: Michael Eder

 

WWK Schwaiger & Partner FIM Speedway World Cup Semi-Final 1

Großbritannien – 39 Punkte
Dan Bewley:                     3, 2, 3, 3, 2 – 13
Robert Lambert:                3, 3, 3, 3, 2 – 14
Tom Brennan:                   3, 3, 1, 1, 1 – 9
Leon Flint:                         0, 1, 0, 2, 0 – 3
Will Cairns:                        0

Tschechische Republik – 30 Punkte
Adam Bubba Bednar:        1, 1, 0, 1 -       3
Daniel Klima:                     1, 2, 1, 1, 0 -  5
Vaclav Milik:                      2, 1, 3, 3, 3 – 12
Adam Nejezchleba:          0
Jan Kvech:                        0, 0, 3, 2, 2, 3 – 10

Deutschland – 30 Punkte
Norick Blödorn:                2, 2, 2, 3, 0, 2 – 11
Mario Häusl:                     0
Kevin Wölbert:                 1, 2, 2, 0, 0 -      5
Lars  Skupien:                  0, 0, 2 -                 2
Kai Huckenbeck:              2, 3, 2, 2, 3 -       12

Ukraine – 20 Punkte
Stanislav Melnychuk:       2, 3, 2, 1, 3 -  11
Andrii Rozaliuk:                0, 0 -               0
Roman Kapustin:             0, 1, 1 -          2
Nazar Parnitskyi:             3, 0, 0, 0, 1 – 4
Marko Levishyn:              1, 1, 1, 1, 0 -  4

H1: Parnitskyi, Huckenbeck, Bednar, Flint                 
H2: Brennan, Blödorn, Klima, Kapustin
H3: Lambert, Melnychuk, Wölbert, Kvech
H4: Bewley, Milik, Levishyn, Skupien
H5: Melnychuk, Klima, Flint, Skupien
H6: Brennan, Wölbert, Bednar, Rozaliuk
H7: Lambert, Blödorn, Milik, Parnitzkyi
H8: Huckenbeck, Bewley, Levishyn, Kvech
H9: Kvech, Blödorn, Levishyn, Flint
H10: Milik, Melnychuk, Brennan, Häusl
H11: Lambert, Huckenbeck, Kapustin, Bednar
H12: Bewley, Wölbert, Klima, Parnitskyi
H13: Blödorn, Kvech, Brennan, Parnitskyi
H14: Milik, Flint, Levishyn, Wölbert
H15: Lambert, Huckenbeck, Klima, Rozaliuk
H16: Bewley, Kvech, Melnychuk, Blödorn
H17: Huckenbeck, Bewley, Kapustin, Klima
H18: Kvech, Lambert, Parnitskyi, Wölbert
H19: Milik, Blödorn, Brennan, Levishyn
H20: Melnychuk, Skupien, Bednar, Flint

 

WWK Schwaiger & Partner FIM Speedway Grand Prix of Germany – Landshut

 

  1. Kacper Woryna
  2. Dan Bewley
  3. Bartosz Zmarzlik
  4. Robert Lambert

 

Kacper Woryna:              1, 2, 3, ex, 2, 3 – 11

Dan Bewley:                     3, 3, 3, 3, 3, 2, - 17

Bartosz Zmarzlik:             2, 2, 2, 2, 3, 1 – 12

Robert Lambert:              3, 1, 0, 2, 3, 0 – 9

Brady Kurtz:                      2, 3, 0, 3, 2 – 10

Patryk Dudek:                   3, 0, 2, 1, 3 – 9

Fredrik Lindgren:             1, 2, 1, 3, 1 – 8

Jack Holder:                      3, 1, 2, 0, 1 – 7

Jason Doyle:                     1, 3, 0, 2, 1 – 7

Dominik Kubera:              0, 3, 2, 1, 0 – 6

Nazar Parnitskyi:              1, 0, 3, 1, 1 – 6

Andrzej Lebedevs:           2, 1, 1, 0, 2 – 6

Norick Blödorn:                0, 1, 1, 2, 2, - 6

Max Fricke:                       0, 2, 0, 3, 0 – 5

Michael Jepsen Jensen: 0, 0, 3, 1, 0 – 4

Leon Madsen:                   2, 0, 1, 0, 0 – 3

Kevin Wölbert:                 0 – 0

 

 

H1: Dudek, Madsen, Parnitskyi, Kubera

H2: Lambert, Lebedevs, Woryna, Blödorn

H3: Holder, Zmarzlik, Doyle, Fricke

H4: Bewley, Kurtz, Lindgren, Jepsen Jensen

H5: Bewley, Zmarzlik, Lambert, Dudek

H6: Kurtz, Fricke, Lebedevs, Parnitskyi

H7: Doyle, Lindgren, Blödorn, Madsen

H8: Kubera, Woryna, Holder, Jepsen Jensen

H9: Jepsen Jensen, Dudek, Lebedevs, Doyle

H10: Parnitskyi, Holder, Lindgren, Lambert

H11: Woryna, Zmarzlik, Madsen, Kurtz

H12: Bewley, Kubera, Blödorn, Fricke

H13: Kurtz, Blödorn, Dudek, Holder

H14: Wölbert, Doyle, Parnitskyi, Wölbert

H15: Fricke, Lambert, Jepnsen Jensen, Madsen

H16: Lindgren, Zmarzlik, Kubera, Lebedevs

H17: Dudek, Woryna, Lindgren, Fricke

H18: Zmarzlik, Blödorn, Parnitskyi, Jepsen Jensen

H19: Bewley, Lebedevs, Holder, Madsen

H20: Lambert, Kurtz, Doyle, Kubera

LCQ1: Woryna, Doyle, Holder, Kurtz

LCQ2: Lambert, Lindgren, Dudek, Kubera

Finale:   Woryna, Bewley, Zmarzlik, Lambert

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